… trifft es vielleicht nicht ganz. Dennoch möchte ich euch erzählen, wie ich mich losgelöst habe.

Es hat schon vor meiner Diagnose angefangen… ich habe bemerkt, dass ich mich mit einigen Personen in meinem Leben nicht wohl gefühlt habe. Es gab immer wieder Situationen bei denen ich mit ihnen zusammen am Abgrund gestanden habe und zu fallen drohte. Es gab keine guten Momente zwischen uns, sondern immer nur ein Balanceakt am Abgrund. Schon damals habe ich gemerkt, wie mich solche Situationen belasten. Ich war immer da, bin Abends spät zu ihnen gefahren, hab sie getröstet, sie abgelenkt… Ich bin wirklich kein Mensch, der eine “Revanche” einfordert aber sobald es mir schlecht ging, war auf einmal keiner mehr da. Ich wollte einfach nur noch Menschen an meiner Seite haben, auf die ich mich verlassen kann.

Dann war da noch dieser eine ehemalige Kollege. Wir haben uns gut verstanden und wollten, nachdem er bei uns aufgehört hatte, in Kontakt bleiben. Das taten wir auch. Immer wenn wir miteinander telefonierten oder uns schrieben hat er angefangen wie gut es ihm doch in der neuen Firma geht und was für ein Sch*** Laden doch die alte Firma ist. Irgendwann hat es mich so genervt, dass ich ihm bei seinem nächsten Anruf gesagt habe, er kann mich gerne anrufen und fragen wie es mir geht und was ich so mache, aber ich habe keine Lust mit Schimpftiraden über meine Firma anzuhören. Und damit war die Sache aus der Welt. Wir haben schon lange nichts mehr voneinander gehört und da bin ich ehrlich gesagt auch ganz froh drum.

Habt ihr nicht auch diese eine Freundin, die immer nur anruft oder schreibt, wenn sie Stress mit ihrem Kerl hat, oder mit den Eltern? Genau solche Menschen habe ich aus meinem Leben verbannt. Ich möchte nicht nur der Kummerkasten sein, sondern auch das Karussell, mit dem man Freude hat, lachen kann und unbeschwert sein kann.

Es war schwer am Anfang, da wir uns schon lange kannten, aber ich bin dennoch froh diesen Schritt gemacht zu haben. Man kann schon sagen, dass so ein Schritt befreiend ist.

Der nächste Schritt war meine Facebook “Freunde” auszusortieren. Ich habe mir meine Liste sehr genau angeschaut. Da waren viele aus dem Heimatdorf, aus der Schule, alte Arbeitskollegen und die ehemaligen Vereinsmitglieder. Aber wen davon konnte ich wirklich Freund nennen? Wem würde ich erzählen “Ich habe MS!?” – das klingt jetzt hart aber warum sollte ich mit diesen Menschen die Facebook-Momente meines Lebens teilen, für die sie sich wahrscheinlich eh nicht interessieren?! Wer grüßt mich, wenn er mich auf der Straße sieht, oder fragt sogar wie es mir geht? Wer freut sich, mir über den Weg zu laufen? Wer denkt an meinen Geburtstag, auch wenn wir nicht auf Facebook befreundet wären? Ich will nicht sagen, dass es umgekehrt vielleicht besser wäre, aber man wollte höflich sein, weil man sich ja kannte und die Freundschaftsanfrage nicht einfach ablehnen. Aber warum sollte ich diese Personen, auf die all dies nicht zutrifft, meine “Freunde” nennen? Also habe ich radikal aussortiert. Heute habe ich noch ganze 32 Facebook Freunde! Und auch hier kann man sagen, es ist befreiend.

Als ich vor ein paar Wochen in der Buchhandlung war habe ich dieses wunderbare Buch entdeckt. “Am Arsch vorbei geht auch ein Weg” von Alexandra Reinwarth. Da ich diesen Weg zum Teil schon eingeschlagen hatte, war ich sehr interessiert welche Tipps hier noch zu holen sind. Es ist wirklich sehr lesenswert. Es geht nicht nur darum sich von Menschen zu befreien, sondern auch von Dingen. Solltet ihr auch das Gefühl haben, dass ihr etwas ändern müsst, kann ich euch nur empfehlen euch das Buch zu besorgen. Das Buch gibt es z.B. hier.

Seit der Diagnose weiß ich sehr genau wer die Menschen an meiner Seite sind auf die ich mich immer verlassen kann und die immer für mich da sind, egal wie weit weg Sie auch sein mögen. Ich möchte mich nicht mit Gedanken an falsche Freunde belasten und ständig darüber nachdenken, warum sie sich nicht melden und warum sie mir nicht auf meine Nachrichten antworten, denn auch mit einem stressigen Job, Kindern oder sonstigen Verpflichtungen bleiben bestimmt einmal 2 Minuten Zeit eine kurze Nachricht zu schicken. Man muss nicht jeden Tag stundenlange Telefongespräche führen, so wie wir das als Teenager gemacht haben. Aber in Zeiten von WhatsApp, E-Mail und einer Vielzahl von anderen Messengern ist eine kurze Nachricht, oder sogar eine kurze Voicemail nur einen Fingertipp entfernt.

Und solltet ihr vielleicht die eine Freundin sein, dann wird es Zeit einmal das Handy in die Hand zu nehmen und euren Lieben zu zeigen, dass ihr eine guter Freund seid.

 

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