Wäre das letzte Jahr ohne Multiple Sklerose anders verlaufen?

Das Jahr 2017 neigt sich dem Ende zu und es wird Zeit einen kurzen Rückblick zu wagen. Wäre das Jahr anders verlaufen, wenn ich keine MS hätte? Vielleicht!

Neben ein paar routinemäßigen Arztbesuchen und meiner halbjährlichen Blutkontrolle hat mich die MS weitestgehend in diesem Jahr in Ruhe gelassen. Aber davon später mehr.

Nach dem ich im letzten Jahr mit 2 Schüben hintereinander doch länger ausgefallen bin, habe ich mich Anfang des Jahres dazu entschlossen meinem Chef von meiner MS zu erzählen. Ein wenig Bammel hatte ich schon, da ich nicht wusste, wie er darauf reagieren wird. Eigentlich möchte ich kein Geheimnis um meine MS machen, da ich kein Mensch bin, der sich hinter einem Gerüst aus Lügen verstecken will! Also habe ich meinen Mut zusammen genommen und es erzählt. Einige meiner Kollegen wurden auch eingeweiht, da sich sich viele Gedanken um mich gemacht haben. Alles war nur halb so schlimm. Verständnis machte sich breit und viele führten lange Gespräche mit mir darüber.

Rückblick – Das war eine gute Entscheidung!

Im Februar gab es erst mal ein neues Auto. Nachdem ich die alte Mühle nach 2 Jahren intensiver Nutzung und über 100.000 km die ich damit gefahren bin verkauft habe. Bevor ich meinen Neuen bekommen habe, war mir gar nicht bewusst, wie toll es ist eine Lenkrad- und Sitzheizung zu haben – von der Berganfahrhilfe mal ganz abgesehen. 🙂  Eigentlich brauche ich das alles nicht, aber wo es schon mal dabei war, gewöhnt man sich doch sehr schnell an diesen kleinen Luxus!

Bei der Versicherung habe ich ganz optimistisch 20.000 km Fahrleistung angegeben, denn ich wollte ja dran bleiben, damit ich endlich meinen  Tag im Home Office bekomme. Nach mehreren Gesprächen wurde dies aber immer wieder abgelehnt. Obwohl mir im Vorstellungsgespräch für diesen Job Hoffnung drauf gemacht wurde. Okay, dann muss eben eine andere Lösung her, denn täglich 1 – 1,5 Stunden pro Strecke und insgesamt 150 km am Tag sind doch eine enorme Belastung für mich und mein MistStück. Nach einem stressigen Tag kribbeln die Beine auf dem Weg nach Hause, die Augen spielen Abends nicht mehr so mit und sind total überanstrengt. Außerdem fällt es mir schwer mich abends noch auf etwas zu konzentrieren, manchmal habe ich Probleme mich an Namen zu erinnern, obwohl ich diejenigen schon lange kenne. Seit meiner MS Diagnose fallen mir einige Dinge doch schwerer. Ich bin nicht mehr so belastbar, schnell unkonzentriert und müde. Aber ich merke, dass wenn ich ausgeglichen bin, zeit zum entspannen habe, dann geht doch vieles besser!

Rückblick – Ändere dein Leben, bevor es dich verändert!

Ich wollte mir etwas Neues aufbauen, womit ich Dir und den anderen helfen kann. Ich wollte diesen Blog schreiben und mir nebenbei ein Personal Training für uns MSler aufbauen! Mein Herzensprojekt! Also habe ich mir von meinem Chef erst mal die Genehmigung einer Nebentätigkeit eingeholt, damit ich erst mal ganz entspannt die Ausbildungen zum Fitnesstrainer und Ernährungsberater machen konnte. Kaum war die Genehmigung da, hab ich meine Ausbildung zum Ernährungsberater begonnen und auch schon den Kurs für den Fitnesstrainer gebucht.

MS Training

Die theoretische Ausbildung zum Ernährungsberater war schnell abgearbeitet und jetzt musste ich für die Prüfung lernen. Da kam aber erst mal der 5 Tag Intensivkurs zum Fitnesstrainer, den ich erfolgreich gemeistert habe und die Prüfung musste warten. Leider wartet sie bis heute. 🙁

Neben dem Job habe ich es den ganzen Sommer nicht geschafft zu lernen, denn durch die vielen Urlaubsvertretungen war ich am Ende des Tages einfach nur fertig. Kein Buch konnte ich in die Hand nehmen oder mir unter der Woche abends etwas vornehmen. Ich war froh, wenn ich meine Trainingseinheiten in der Woche geschafft hatte. Diesen Schweinehund konnte ich überwinden, weil es mir danach einfach immer besser ging. Aber abends noch meine Konzentration aufrecht zu halten um diesen Lernstoff im Kopf zu behalten war einfach nicht möglich. Ich sah das ganze Vorhaben scheitern.

Rückblick – Du solltest immer auf dein Herz hören und Möglichkeiten suchen, deine Wünsche und Träume zu verwirklichen!

Nach vielen Gesprächen mit meinen Freund, habe ich mich dazu entschieden eine Arbeitszeitreduzierung zu beantragen. Ich hatte einfach das Gefühl, dass ich keine Zeit mehr für mich habe. Ich brauchte Zeit mich zu erholen und Zeit für mich! Gesagt, getan! Vor dem Urlaub habe ich den Antrag auf eine 4 Tage Woche abgegeben. Jetzt heißt es warten und erst mal in den Urlaub fahren.

Unseren Urlaub haben wir im September in Frankreich verbracht. In einem schönen kleinen Häuschen, abseits von der Stadt. Es ist wunderschön idyllisch und man kann wunderbar zur Ruhe kommen. Eigentlich hatte ich mein Lernmaterial mitgenommen, aber mein Kopf wollte da einfach nicht mitspielen! Er brauchte Ruhe! Also nahm ich mir die Zeit um einfach mal nichts zu tun und genoss die französische Gelassenheit. Mein Körper dankte es mir, denn ich fühlte mich prima als ich aus dem Urlaub zurück kam. Schon im Urlaub merkte ich, dass ich mehr Kraft hatte und auch das Training wieder super lief, wohingegen ich es in den letzten Wochen einfach nur noch abgearbeitet hatte. Wenn der Kopf frei ist, dann läuft es einfach viel besser und man kann viel effektiver trainieren.

Rückblick – Gönne dir Ruhe, dein Körper und Geist werden es dir danken!

Ich habe mir viele Gedanken in dieser Zeit gemacht. Was ich brauche, was ich wirklich will und was ich meinem Körper und Geist zumuten kann. Das MistStück holt sich doch sehr viel Energie aus meinen Reserven!

Aber da war ja noch die Arbeitszeitreduzierung. Ich hoffte bald eine Antwort auf meinen Antrag zu bekommen, da ich am 01.01.2018 mit weniger Stunden starten wollte. Leider habe ich bis zwei Wochen vor Ende der Frist nichts gehört. Dann kam ein Gespräch, bei dem mir mitgeteilt wurde, dass man meine Arbeit Freitags mit 6 Stunden nicht auffangen könne und das ich die 6 Stunden auf die Woche verteilen solle. Was bringt mir das? Weniger Geld, gleiche Kosten, jeden Tag 150 km, 2 bis 3 Stunden Fahrt und trotzdem nicht mehr Freizeit, weniger Arbeit und damit auch weniger Belastung. Also wurde es abgelehnt! Auch bei einem weiteren Vorschlag meinerseits sind wir uns nicht einig geworden, was meine Arbeitszeit angeht. Leider gab es noch viele andere Dinge, die einfach nicht mehr passten und mit denen ich mich nicht wohl fühlte. In den letzten Monaten habe ich oft mit einem unguten Gefühl im Büro gesessen, mich nicht verstanden gefühlt, denn die Rücksichtnahme von Anfang des Jahres hatte zwischenzeitlich stark abgenommen. Meine Arbeit stapelte sich, Überstunden, Messe mit Wochenendeinsatz, Urlaubs- und Krankheitsvertretung und dann noch die Aussicht, dass ich nicht weniger Arbeiten werde.

Rückblick – Die MS zeigte mir oft meine Grenzen auf!

Irgendwann bricht alles über einen herein. Das war bei mir der Fall. Weinend saß ich zu Hause und wusste nicht mehr weiter. Was sollte ich nur machen? Ja klar, etwas Neues suchen. Das mache ich ja schon eine ganze Weile. Aber leider liegen in meiner Region die Jobs nicht einfach so auf der Straße und es ist schwer etwas unbefristetes und angemessen bezahltes zu finden. Da meine Arbeitszeiten aber auch nicht allzu flexibel sind, musste ich potentielle Arbeitgeber oft vertrösten, da ich zu den vorgeschlagenen Zeiten nicht einfach so erscheinen konnte. Leider war der Urlaub durch die Weiterbildung und auch durch die Betriebsferien zwischen den Jahren auch schon komplett verplant.

Nachdem dann auch noch die Verkürzung meiner Arbeitszeit abgelehnt wurde, wollte ich nicht mehr! Ich wollte mich nicht mehr jeden Tag mit Magenschmerzen auf die Arbeit quälen, vor lauter Pflichtgefühl morgens wieder auf der Matte stehen und mich rechtfertigen müssen, wenn ich mal eine Stunde früher das Büro verlassen möchte weil Termine anstehen. Ich wollte nicht mehr, dass ich Freitags meine ganzen Termine abarbeiten muss um dann Samstags den Haushalt zu erledigen und dann nur am Sonntag mal Zeit zu haben für Entspannung. Das ist mir einfach zu viel! Ich brauche mehr Zeit!

Rückblick – Danke MistStück!

Du hast in mit den Mut und die Kraft geweckt diesen Schritt zu gehen! Ich weiß nicht, ob ich genau dieses Gefühl gehabt hätte, wenn die MS nicht da gewesen wäre. Vielleicht hätte ich mich länger gequält. Vielleicht wäre ich diesen Schritt nie gegangen. Also habe ich am 21.12., als kleines Weihnachtsgeschenk, meinem Chef die Kündigung auf den Tisch gelegt! Das wars! Ich habe gekündigt und einen riesigen schweren Sack mit Ballast, Sorgen und Ängsten in seinem Büro zurück gelassen. Welch befreiendes Gefühl! In der Mittagspause habe ich mir mit meiner Kollegin (die übrigens auch im Februar den Job wechselt) ein Sektchen auf das neue Jahr gegönnt!

In den nächsten Tagen habe ich öfter gehört, dass ich viel entspannter wäre und viel gelassener und fröhlich ausschaue. Noch nicht alle Personen in meinem Umfeld wissen von meinem Schritt aber es ist doch dem ein oder anderen aufgefallen, dass ich viel entspannter bin!

Rückblick – die beste Entscheidung der Jahres!

In diesem Jahr hat mich die MS weitestgehend in Ruhe gelassen. Keine Schübe und mein MRT war auch unauffällig! Dafür bin ich sehr dankbar. Zwar ist es manchmal nicht leicht mit der MS zu leben, aber durch Sie passen wir viel besser auf uns auf und hören in uns hinein. Sie zeigt uns oft den richtige Weg, zeigt uns Grenzen auf und lässt uns einige von Ihnen auch überwinden. Wir sind Achtsamer unserem Körper und Geist gegenüber und wissen genau, was das Beste für uns ist!

Auch hat mich die MS in diesem Jahr einiges gelernt und mich auch auf einen für mich wichtigen Weg gelenkt.

Glassenheit! Dinge hinzunehmen, die nicht zu ändern sind. Auch wenn wir es uns noch so sehr wünschen. Wir können nur versuchen Gelassen damit umzugehen und das Bestes aus der Situation zu machen.

Kraft! Die Kraft etwas zu ändern, was man nicht länger ertragen kann oder nicht mehr ertragen will! Wir sollten unsere Kräfte dafür einsetzten, etwas zu ändern, was wir wirklich selbst in der Hand haben.

Weisheit! Die Weisheit die für mich wichtigen Dinge herauszufinden. Die Weisheit zu wissen, was richtig und was falsch ist, was gut und was schlecht für uns ist.

Was hat euch die MS in diesem Jahr gelehrt?!

Ich wünsche euch einen schönen Abschluss und einen guten Start in das neue Jahr!

2 Kommentare zu “MS Life – Mein Rückblick auf das Jahr 2017”

  1. Hallo,

    ich habe in einem Newsletter von Copaxone (mein Medikament) öfters gelesen, dass man wenig Zucker essen soll. Ich war schon regelrecht süchtig auf Marmelade, Honig, Schokokese und Schokolade. Anfang Dezember sagte ich noch dass ich darauf nicht verzichten kann. Mitte Dezember ist dann die Diabetes von meiner Frau schwieriger geworden und plötztlich war mir klar, wir sollten am bestan auf Zucker ganz verzichten. Also wurden diese Süsigkeiten incl. Fertigmüsli und noch ein par andere Sachen aussortiert.
    Plötzlich kann man sich innerhalb 2 Tagen dann doch verändern.
    Ich sagte zu meiner Frau, wir haben in unserem Leben schon so viele Süsigkeiten usw. gegessen, während viele Menschen z.B. dazu keinen Zugang oder kein Geld dafür haben.
    Scheitern kann man, aber wenn man es nicht mal versucht hat ist es in der Rückschau sicherlich frustrierend.

    Gruss
    Martin

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