Seit 6 Wochen bin ich nun wieder zu Hause und lasse das große Abenteuer Camino für euch noch einmal Revue passieren. Anfangs habe ich bei Instagram noch ein paar Bilder gepostet, aber dann war irgendwann der Knoten geplatzt und ich hatte kein Bedürfnis mehr danach mich in den sozialen Medien mitzuteilen. Das empfand ich nicht als schlimm, sondern eher befreiend, denn für mich gehörte ein gewisser Abstand zu Facebook, Instagram und Co. einfach zu meinem Weg. Dennoch möchte ich euch ein paar Dinge von meinem Weg erzählen.

Der Aufbruch – auf dem Camino kommt immer alles anders als geplant

Eigentlich wollte ich gemeinsam mit meinem Freund noch ein paar Tage in Frankreich verbringen und er sollte mich dann mit unserem Mietwagen nach Saint-Jean-Pied-de-Port fahren, wo mein Weg beginnen sollte. Am Morgen des 20. März kam dann doch alles anders. Um 11 Uhr sollten wir abgeholt werden und mein Freund lag krank und mit Fieber im Bett. Er konnte nicht mitkommen! Kurzerhand musste ich also meine Anreise nach SJPDP noch organisieren. Darüber hatte ich mir vorher keine Gedanken gemacht und musste erst mal schauen wie ich überhaupt dort hin komme. Ich habe erst einmal eine Übernachtung in Toulouse gebucht, am nächsten Tag einen Bus nach Bayonne und dann von dort den Zug nach SJPDP. Die erste Hürde war also schon einmal genommen.

Die zweite folgte aber zugleich, denn anstatt in 3 Tagen mussten wir uns jetzt innerhalb von 3 Stunden verabschieden. An diesem Morgen war mir noch nicht bewusst, dass ich meinen Freund heute schon für eine so lange Zeit verabschieden musste. Natürlich war das alles sehr tränenreich, denn 5 Wochen sind eine lange Zeit! Aber es half nichts, denn um 11 Uhr klingelte mein Flughafentaxi an der Tür und es ging los. Mit Vorfreude und Abschiedsschmerz im Bauch machte ich mich also auf den Weg.

Als ich schon aufgeben wollte, schickte das Universum mir einen blonden Retter!

In der ersten Nacht machte ich mir viele Gedanken, was wohl passieren mag, wie der Weg für mich sein wird, ob ich ihn zu ende Laufe, ob ich es schaffe, und und und. Aber ist es wirklich wichtig, ob man den Weg zu ende läuft? Oder kommt es einfach nur darauf an, dass man ihn begonnen hat? Wo man ihn dann beendet, liegt doch ganz bei uns, oder? Ich bin kein Mensch, der einfach so aufgibt. Ich denke es müsste schon viel passieren, dass ich den Weg nicht zu ende laufen kann. Aber vielleicht will ich es ja auch gar nicht. Vielleicht weil der Weg mir nicht das gibt, was ich mir erhofft habe.

Der erste Tag begann alles andere als schön. In der Nacht gab es Neuschnee und wir liefen Kilometerweit durch knietiefen Schnee. Besser gesagt, wir kämpften! Ich wollte wirklich schon aufgeben, mich in den Schnee setzen und keinen Meter mehr weiter laufen. Um uns herum war alles voller Bäume und so unendlich viel Weiß. Da kam er – ein freudiges Fellknäul – sprang um uns herum und forderte uns mit seinem Blick auf zu folgen. Er hüpfte vor uns her durch den Schnee, bis wir die Straße erreicht hatten! Geschafft, wir hatten nach 2 Stunden und 3 km endlich die Straße erreicht! Später kreuzte der Hund noch einmal meinen Weg, in genau der gleichen Situation. Eine kleine Pilgergruppe wurde von “Camino” durch den knietiefen Schnee auf die Straße geführt.

Menschen kreuzen deinen Weg, wenn auch nur für einen kurzen Moment.

In den ersten Tagen habe ich bereits so viele nette Menschen getroffen, von denen ich mich aber schon bald wieder verabschieden musste. Es war nicht unsere Zeit. Unser Tempo war zu unterschiedlich. Es hat einfach nicht gepasst. Einige von Ihnen habe ich auf dem Weg nicht wieder getroffen aber eine ganz tolle und liebe Südkoreanerin wird später noch einmal meinen Weg kreuzen. In den ersten Tagen war ich mit einem jungen Mann aus Bayern unterwegs. Zwar sind wir oft tagsüber alleine gelaufen, dennoch haben wir uns Abends meist in der Herberge wieder getroffen und gemeinsam zu Abend gegessen. Es ist schön Abends nicht alleine zu sein und sich über den Tag austauschen zu können. Wobei es auch viele gab, die sich alleine mit Ihrem Tagebuch zurück gezogen haben, aber das ist okay.

Alice & Ich

Ich dachte erst – ich will alleine sein – aber ich hatte nicht das große Bedürfnis danach. Meinen Weg tagsüber habe ich meist alleine beschritten. Auf ein Café con leche oder ein Bierchen hat man sich eh immer wieder in einer der Bars auf dem Weg getroffen. Ich fand es schön Gespräche zu führen, etwas über die Menschen, die ich auf dem Weg treffe zu erfahren, den Tag Revue passieren zu lassen und Spaß zu haben. Und ehrlich, wenn ich alleine sein wollte, dann konnte ich es auch. Nach einer Woche trennten sich auch unsere Wege, denn täglich über 30 km wollte ich mir nicht antun. Ich hatte Zeit und wollte den Weg genießen. So nett es auch war, aber für mich ist der Weg kein Wettrennen.

Viele Begegnungen und einige werden mich hoffentlich noch eine ganze Weile begleiten!

Wenn man alleine reist, lernt man so viele liebe Menschen kennen. Einige davon lassen wir auf dem Weg zurück, mit anderen erlebt man viele tolle Momente. Zum Glück gibt es diese Menschen, denn ohne Sie wäre der Weg nicht der selbe gewesen. Mit Ihnen kann man lachen, weinen, schreien, tanzen, trinken, erzählen und so viel mehr. Sie verstehen dich, wenn du ihnen von deinem Camino Tag erzählst, denn Sie haben es auch erlebt. Vielleicht ein bisschen anders, aber sie wissen wie es ist und wie es sich anfühlt.

Angie aus Südkorea & Ich
Alice, Matteo & Ich

Es ist egal, welchen alters sie sind, welche Nationalität sie haben, oder welche Sprache sie sprechen, denn auf dem Camino sind wir alle gleich. Auch wenn wir nicht die gleiche Sprache gesprochen haben, haben wir es dennoch geschafft uns zu verständigen. Manchmal mit Händen und Füßen, manchmal mit einem Mix aus Englisch, Französisch, Deutsch und Italienisch.

Viele dieser Begegnungen werde ich als Erinnerung in meinem Herzen tragen und bei vielen werde ich versuchen, diese Menschen auch nach dem Camino noch in meinem Leben zu halten. Sie sind mir so sehr ans Herz gewachsen. Und ich bin froh sie alle auf dem Weg getroffen zu haben! Manche Wege haben sich bereits unterwegs getrennt, andere haben sich in Santiago wieder vereint.

Bettina & Ich

Die Erlebnisse hier aufzuführen, würde den Rahmen sprengen aber wir hatten schon eine tolle Zeit. Eine Geburtstagsfeier, eine Übernachtung in einem ungeheizten Dachgeschoss, ein selbstgekochtes Abendessen, 18 km Meseta mit Sturm und Regen, ein schönes Osterfest, ein schmerzhafter Abschied und viele viele weitere Erinnerungen.

Was tun, wenn mir nichts anderes bleibt als zu Laufen?

Anfangs wusste ich nicht ob ich das wirklich konnte, jeden morgen aufstehen, die Wanderschuhe anziehen, den Rucksack schultern und raus auf den Weg. Konnte ich das wirklich? Jeden Tag? 5 Wochen lang? Aber was sollte ich sonst den ganzen Tag tun, wenn nicht Laufen? Wenn ich mich so zurück erinnere, gab es glaube ich nur einen Tag, an dem ich einfach keine Lust hatte los zu laufen. Aber das lag einfach daran, dass ich mich mit den Menschen um mich herum wohl gefühlt habe und die Unterkunft nett war. In manch einer hat man sich wie zu Hause gefühlt, in anderen wiederum als Fremdkörper.

Es gab nur einen Abend an dem es mir richtig schlecht ging in meiner Unterkunft. Ich habe mich dort überhaupt nicht wohl gefühlt und wenn meine Füße mich noch weiter getragen hätten, dann wäre ich sicher noch die 6 km gelaufen. Die Räumlichkeiten waren sehr runtergekommen, die Dusche dreckig, es war laut und es war der erste Abend an dem ich so richtig alleine war und niemanden kannte. Ich hab mich so richtig fehl am Platz gefühlt und einsam. Ich weiß gar nicht warum, denn eigentlich bin ich nicht so schüchtern und finde immer irgendwie Kontakt aber da war es nicht so. Dementsprechend früh ging es ins Bett und am nächsten Tag wieder los.

Ja die Unterkünfte auf dem Camio! Ich hatte noch Glück, denn es war zu Anfang der Saison und noch nicht so überlaufen. Die Decken waren nicht muffig und die Hospitalieros total nett. Ich habe nicht nur in den teuersten Unterkünften genächtigt, sondern auch Unterkünfte von der Kirche oder die örtlichen in Anspruch genommen, bei denen man gegen Spende schlafen kann. Es war von ganz einfach und sauber, modern oder standard aber dreckig alles dabei. Ich glaube man darf da nicht so pingelig sein, außer es geht natürlich um die Hygiene der Betten und die Gefahr von Bettwanzen.

Mit lieben Menschen um einen herum ist auch eine eiskalte Dusche nur halb so schlimm.

Einen der tollsten Abenden hatte ich mit meinem Pilgerfreund Hardyin einer kirchlichen Unterkunft. Eine Mitpilgerin und ich standen unter der Dusche, als mit einem mal nur noch eiskaltes Wasser kam und sie anfing zu schreien! *lach* Ihre Freundin kam rein und rief den Hospitaliero. Die Gasflasche war leer! Er musste eine neue anschließen und dann konnten wir weiter duschen. Es war so bitter kalt, aber wir konnten am Abend noch lange darüber lachen! Der Hospitaliero hat uns eine super leckere Paella gekocht, mit uns gebetet, mit Wein versorgt, als “Vorspeise” noch einen super leckeren Schinken aufgetischt und nette Geschichten erzählt. Und das alles gegen Spende! Das war wirklich einer der tollsten Abenden auf dem Camino mit so lieben Menschen!

         Camino

Wer Sorgen und Sünden ablegt, kann den Rest des Weges mit reiner Seele beschreiten!

Ein paar Tage vor dem Ende des Weges ging es zum Cruz de Ferro. Für den Brauch der Pilger, einen Stein für die eigenen Sünden nieder zu legen, habe ich auch einen Stein aus der Heimat mitgebracht. Jedoch habe ich einen für meine Sünden dort abgelegt und einen “Sorgenstein” den ich sogar beschriftet habe. Das  Gebet habe ich natürlich auch aufgesagt. Mich hat das Niederlegen des Steins anfangs nicht so sehr berührt, doch als wir dann weiter gezogen sind, haben mich die Emotionen doch überrannt und ich musste weinen!

Herr, möge dieser Stein, Symbol für mein Bemühen auf meiner Pilgerschaft, den ich zu Füßen des Kreuzes des Erlösers niederlege, dereinst, wenn über die Taten meines Lebens gerichtet wird, die Wagschale zugunsten meiner guten Taten senken. Möge es so sein.

Einfache Taten – Unbewusst bin auch ich zu einem Highlight geworden!
Hardy & Ich

An einem Tag, war ich mal wieder mit Hardy unterwegs. Zu Mittagessen sind wir in einem guten Restaurant eingekehrt und haben was leckeres gegessen. Am Abend wollten wir dann etwas einkaufen und ein Vesper in der Herberge machen. Einen Wein hatten wir schon gekauft, denn am Vormittag gab es in einem Weingut eine Weinprobe für Pilger. Am Zielort angekommen haben wir erst mal “eingecheckt” und sind dann zum Einkaufen gegangen. Da Hardy schon das Mittagessen bezahlt hat, war ich nun an der Reihe. Ich liebe es leckere Sachen zu kaufen also tischte ich ganze schön auf. Brot, Käse, Chorizo, Schinken, Oliven, Tomaten, Gurke. Auf dem Weg zur Herberge haben wir noch eine Pilgerfreundin getroffen und sie kurzerhand mit in die Herberge zum essen genommen. Dort habe ich dann alles ausgebreitet und die Tomaten und die Gurke aufgeschnitten. In der Herberge waren noch zwei Kanadier und ein Däne, die mit uns am Tisch gesessen haben und die ich natürlich kurzerhand auch zum Essen eingeladen habe. Wir hatten ja genug. Ich liebe es einfach zu teilen, warum auch nicht.

Nette Worte kosten nicht viel. Sie erreichen aber eine Menge.

Die drei waren ganz überrascht und haben verhalten mit gefuttert und sich bedankt. Bis Santiago sollte ich Silvio und Marco nicht mehr wieder sehen. Hardy und sein Kumpel sind den beiden allerdings zwischenzeitlich öfter über den Weg gelaufen und so haben wir uns an einem Abend in Santiago zum essen getroffen. Ich habe mich gefreut, die beiden wieder zu sehen und während ich am Essen war, stand Silvio auf, stellte sich vor mich uns sagte: “Ich wollte mich noch einmal ganz herzlich bei dir für das Essen bedanken. War war so wundervoll von dir, dass du an diesem Abend dein Essen mit uns geteilt hast. Ich bin froh, dass ich dich an diesem Tag getroffen habe und du wirst mir als ganz besonderer Mensch des Camino in Erinnerung bleiben!” Oh man hab ich geheult!!! Für mich war das nichts besonderes, denn ich habe auf diesem Weg so viel geteilt und geholfen und verschenkt, warum auch nicht!

Isabell, Ich, Bettina, Hardy und Uli

Ich finde es schön zu teilen, zu schenken und anderen eine Freude zu machen. Es macht mich glücklich und auch meinen Gegenüber. Ich war schon immer selbstlos in solchen Dingen. Hoffentlich gibt es niemanden, der das Gegenteil behauptet!? *lach* Aber für mich gehört auch das zum Camino. Teilen, helfen, unterstützen, auffangen, trösten, beruhigen, aufmuntern und so vieles mehr! Ich glaube jemand der das nicht kann, gehört einfach nicht auf den Camino!

Unendliche Weiten, Schneebedeckte Gipfel – eine Landschaft wie auf einem Gemälde

Die Landschaft des Weges und auch die Vielfältigkeit hat mich sehr beeindruckt. In den ersten Tagen war alles noch etwas karg, da es ja erst Mitte März war, doch je näher wir Galizien kamen und somit auch näher an unser Ziel, wurde es immer grüner und alles blühte. Auch die Meseta hat mich sehr berührt. Viele überspringen diese Etappen, weil es ihnen zu eintönig ist, aber gerade die ersten beiden Tage waren für mich so beeindruckend. Die Felder waren zwar noch leer, aber was die Natur hier geschaffen hat ist eindrucksvoll. Auf 750 bis 900 Meter Höhe finden sich unendliche Weiten mit kurzen Blicken in die Täler, umrahmt von Bergen. Ich war wirklich beeindruckt und auch etwas sentimental. Ich kam mir so klein vor und dennoch so stark. Man kann es schlecht beschreiben, aber diese Weiten hatten etwas beruhigendes und auch antreibendes für mich.

Auf einer 18 Kilometer Etappe durch die Meseta, fand ich richtig zur Ruhe. Ich weiß nicht wie lange ich gebraucht habe, aber diese Weite und dann die Gipfel am Horizont, das war so toll. Ich bin ja ein totaler Bergliebhaber. Ich könnte den ganzen Tag irgendwo sitzen und mir ein Bergpanorama anschauen. Das ist so faszinierend was die Natur geschaffen hat und wirkt so beruhigend. An diesem Tag habe ich so viele Pausen gemacht, mich immer wieder an den Feldrand gesetzt und das Panorama genossen. Der Tag hätte nie enden müssen, das wäre auch völlig okay gewesen.

Über die Landschaften könne ich euch noch so viel mehr erzählen, aber es wird euch nie so ergreifen, wie es mich ergriffen hat. Man muss es einfach erlebt und gesehen haben. Aber damit ihr euch wenigstens ein kleines Bild machen könnt, habe ich ein paar Fotos für euch ausgesucht.

Santiago de Compostela – jeder bekommt den Empfang den er verdient!

Die letzten Tage war ich mit meiner Pigerfreundin Alice aus Italien unterwegs. Wir hatten zwischendurch immer mal wieder ein paar Tage sporadisch miteinander verbracht mit einer größeren Gruppe Italienerinnen/Italiener, aber die letzten Tage waren wir nur zu zweit unterwegs. Eigentlich wollte sie am vorletzten Tag noch etwas weiter, damit sie nur noch ein paar Kilometer bis Santiago hat. Ich aber wollte nicht schon in einer Stunde in Santiago sein, sondern wollte mir Zeit lassen und mich auf die Ankunft vorbereiten. Ich wusste nicht was mich erwartet. Wie wird es sein? Emotional? Traurig? Oder wird es mich gar nicht berühren? Die Tage davor war ich schon etwas sentimental, denn wenn ich in Santiago ankomme, dann ist der Weg vorbei!

Ja, ich weiß, dass der eigentliche Weg dann erst beginnt, aber die Zeit war vorbei. Die Zeit mit den tollen Menschen die ich kennen lernen durfte, die Zeit der Unbeschwertheit, der Leichtigkeit und des Ungeplanten. Wenn ich wieder zu Hause bin wäre alles wieder durchgeplant. Diese 5 Wochen haben mir so viel gegeben. Ich konnte einfach loslassen, alles auf mich zu kommen lassen, unbeschwert sein, nicht über die MS nachdenken, einfach ICH sein. Es war so ein tolles Gefühl, nicht zu wissen was morgen kommt und was sein wird. Es umhüllt einen mit Leichtigkeit und Freude. Die Freude auf den nächsten Tag, sich die Wanderschuhe anzuziehen und loszulaufen. Loszulaufen, ohne zu wissen wie weit oder wohin und ob man es je ans Ziel schafft.

Nach 32 Tagen endlich am Ziel – meine Ankunft in Santiago de Compostela

Wir hatten uns den letzten Tag also unterschiedlich vorgestellt – fanden jedoch eine Lösung für uns beide.

Wir wollten am nächsten Morgen schon gegen 5 Uhr los um vor den Massen in Santiago anzukommen. Das frühe aufstehen, war dank des Schnarchkonzerts der acht weiteren Pilger in unserem Zimmer auch kein Problem. Also setzten wir die Stirnlampen auf und starteten im dunklen. Wir waren so schnell unterwegs, beflügelt von dem Wissen heute endlich anzukommen. Hand in Hand liefen wir durch Santiago auf die Kathedrale zu und standen endlich vor unserem Ziel. Umarmten uns und….? NICHTS! Da war einfach nichts! Natürlich war ich froh es geschafft zu haben, aber ich habe mich mehr über das Wiedersehen mit meiner Pilgerfreundin Bettina gefreut, als auf dem Platz vor der Kathedrale in Santiago zu stehen. Warum? Ich weiß es nicht!

Erst am nächsten Tag erst konnte ich so wirklich realisieren was das passiert war und das der Camino jetzt zu ende war. Das ich heute nicht wieder die Wanderschuhe anzog und den Rucksack schulterte. Fast den ganzen Tag saß ich auf dem Platz vor der Kathedrale und beobachtete die Pilger, wie sie ihre Reise in Santiago beendeten. Jeder auf seine Art und Weise. Der Tag war sehr emotional. Das Bewusst werden, dass der Camino für jetzt erst einmal zu ende ist und auch der Abschied von meinen Pilgerfreunden trieb mir den ganzen Tag die Tränen in die Augen!

Ich hatte wirklich eine tolle Zeit auf dem Camino und wenn ich könnte, würde ich sofort wieder fahren. Der Weg war hart, aber er hat mir so viel gegeben! Ich werde diese Zeit und auch die Menschen hoffentlich nie vergessen.

8 Kommentare zu “Mein Weg – 32 Tage auf dem Camino Francés”

  1. Hi Julia, Alice suggest me your blog and your amazing words. I think you told in few words all the feelings, and emotions and I don’t know what else about Camino. It was a unique experience, and I can refind me into these words. I feel an huge sadness and melancholy when I think to Camino, it’s something like it never happened. It’s been a pleasure for me to meet you during my second day. I don’t know if you remember, but one of the first things I asked you was: what do you do in your life ( my english was not so good – really even now- but the magic of Camino allowed us to understand each other). I remember your answer without knowing your story. You’re one of the best person I met there, I will never forget our dinner in Foncebadon with paella and laughs..we were really like a family. I don’t know if during our life we could meet again but you’ll stay forever in my soul. Hope to do it again from SJPDP and who knows if maybe there we’ll meet again. I send to you the biggest hug. Buen Camino.
    Matteo

    1. Hi Matteo,
      I’m so happy that you have found my blog and left some comment here. That’s exactly what I wanted to reach. Write many emotions and stories in a short text. I hope I succeeded.
      I also often think about the time on the Camino and I’m often sad that I can not meet you all anymore and that I can not experience it again. Yes, I remember the time when I’ve met you and we talked a long time. Until we had to walk down the hill. I was so slow because of the pain in my knee. 😉
      Since then we met us the whole time on the camino until the arriving in Santiago. We hat a great and funny time on the way and I’m also verry happy to met you and your parents. It was a pleasure to walk with you. You all are so loveley people and I will never forget you all. I also hope, that we will meet again on the camino. All is possible!
      Buen Camino! Jule

  2. Hallo Jule,
    Ich war bei Dir. Bei deinen Worten. Bei deinen Bildern und sicher auch bei deinen Gedanken.
    Es war kalt, es war nass, es war stürmisch. Es war neblig.
    Aber es war auch spannend, sonnig, auch mal warm.
    Und immer, wirklich immer gab es nette Menschen aus aller Welt die genau so fühlten und dachten wie wir. Auf die man sich abends freute wenn man sich wieder sah. Und mit denen man am liebsten bis ans Ende der Welt gehen würde. Und noch weiter.
    Du bist für mich so ein Mensch.
    Schön das wir “Den Weg” ein Stück gemeinsam gehen konnten.
    Du bist ein so großartiger und starker Mensch – schön das es dich gibt.
    Alles Liebe und Gute
    Hardy

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