Vor kurzem hatte ich mein erstes Feedbackgespräch bei meinem neuen Arbeitgeber. Drei Monate war ich zu diesem Zeitpunkt bereits dort beschäftigt. Monate, die so rasend schnell vergingen, dass ich das Gefühl habe schon ein Jahr dort zu arbeiten. So viele neue Dinge habe ich gelernt, Menschen kennengelernt und natürlich auch manch nicht so schöne Sache. Es gibt eben nicht den perfekten Arbeitsplatz. Aber mit meiner neu erlernten Gelassenheit, kann ich sehr gut mit den kleinen Problemen umgehen und auch über sie hinweg sehen, denn die letzten 6 Monate haben mich verändert! Dieses Gespräch brachte mich auch dazu, die letzten Monate Revue passieren zu lassen. Was war passiert?

Die letzen Monate brachten Mir eine Innere Veränderung

Die Vorbereitung auf das Gespräch lies mich noch einmal in die Vergangenheit schauen. Habe ich den richtigen Schritt gemacht, in dem ich den alten Job aufgegeben haben, bei dem ich mich überhaupt nicht mehr wohl gefühlt habe und vor allem in dem ich mit meiner Krankheit nicht akzeptiert wurde? Das konnte ich bereits mit dem Einreichen der Kündigung mit “Ja” beantworten. Denn in diesem Augenblick ist die ganze Last der letzten 2 Jahre von mir abgefallen. Die langen Arbeitstage, die Staus auf meinem Arbeitsweg, das oft negative Arbeitsklima, die Last, die mir niemand von den Schultern genommen hat, wenn es mir einmal nicht so gut ging. Das alles war mit der Kündigung Geschichte!

Natürlich habe ich lange darüber nachgedacht, ob ich so einen Schritt gehen soll. Was wird mir bei einem neuen Arbeitgeber passieren? Was, wenn ich in der Probezeit einen Schub habe und länger ausfalle? Was, wenn sie meine Krankheit nicht akzeptieren können. Aber all das wollte ich in kauf nehmen, denn es ging mir einfach nicht gut. Ich fühlte mich nicht wohl und genau dieses Gefühl brachte ich jeden Abend mit nach Hause. Antriebslosigkeit, Überforderung, Müdigkeit und oft habe ich meine schlechte Laune auch in der Beziehung ausgelassen. Ich musste diese Dinge einfach loswerden. Da kam meine kleine Auszeit und die Reise auf dem Jakobsweg genau richtig!

Auch eine kleine Veränderung kann dir mehr Zufriedenheit bringen

Zurück vom Jakobsweg hatte sich bereits bei mit eine Veränderung eingestellt. Ich fühlte mich viel ausgeglichener und zufriedener. Der Weg hat mir einfach so viel gegeben. Ich hatte viel Zeit für mich und auch die Menschen, die ich kennen lernen durfte, haben eine Veränderung in mir ausgelöst. Es ist unglaublich, was so eine Reise in einem bewirken kann. Man weiß viele kleine Dinge mehr zu schätzen. In meinem Alltag hat sich viel mehr Ruhe eingenistet und auch die negativen Zustände, wie extreme Müdigkeit, Überforderung und Antriebslosigkeit haben sich verabschiedet.

Veränderung

Ich fahre morgens fröhlich zur Arbeit, singe laut im Auto und freue mich über die Verkehrsnachrichten. Es ist einfach, so erleichternd, dass ich nicht mehr ständig im Stau stehe und ich komme viel ausgeglichener zur Arbeit. So kann ich den Tag ganz ohne Stress starten. Ich kann mich besser konzentrieren und mir Dinge viel leichter merken. Auch die flexiblen Arbeitszeiten spielen mir gut in die Karten. Ich habe mehr Energie nach der Arbeit und kann mich beim Sport auspowern und danach noch andere Dinge erledigen, für die ich früher zu müde war.

Ich habe wieder Freude daran, meinen Garten zu pflegen, Obst und Gemüse anzubauen und ich kann meine Freizeit wieder in vollen Zügen genießen. Früher musste ich oft genau überlegen was ich mir nach der Arbeit noch zumuten kann und ob ich es schaffe mehrere Termine unter der Woche wahr zu nehmen. Die letzten 2,5 Jahre haben mich unglaublich viel Kraft gekostet.

Wer Mutig ist, wird Glücklich sein!

Ich habe schon ein paar Nachrichten von euch bekommen, die sich mit einem Jobwechsel beschäftigen. Ich kann verstehen, dass man Bedenken hat und man muss gut abwägen ob es ich lohnt diesen Schritt zu gehen. Vor allem lohnt es sich, wenn du dich nicht wohl fühlst und die Arbeit eine Belastung für dich darstellt. Das kann ein langer Arbeitsweg sein, aber auch das Klima und die Kollegen spielen eine wichtige Rolle. Ich habe diesen Schritt nicht bereut, denn ich war einfach nicht mehr ich selbst. Sei Mutig für Veränderungen, du wirst sicher belohnt werden!

Ich hatte mir vorgenommen offen und ehrlich mit meiner MS umzugehen wenn die Sprache darauf kommt. Sollte ich gefragt werden, ob ich eine chronische Erkrankung habe, werde ich diese Frage offen und ehrlich beantworten – doch dazu kam es nicht. Das Interview mit RehaCare steht an oberster Stelle in den Suchergebnissen mit meinem Namen. Mittlerweile war auch die Homepage von Personalcoaching Mittelhessen online – wer also mehr über mich erfahren wollte, musste nur im Netz nach meinem Namen suchen. Das ist für mich kein Problem, denn ich stehe voll und ganz hinter allem was ich tue. Warum sonst würde ich einen Blog über Multiple Sklerose schreiben und eine Ernährungsberatung und Fitnesstraining für Betroffene anbieten?

Nur wer offen und ehrlich ist, wird so akzeptiert wie er ist – mit all seinen Schwächen

Vor Kurzem bin ich dann zu meinem Chef und habe ihm von der MS erzählt, weil ich nicht wollte, dass es irgendwann Gerüchte gibt oder sonstiges. Er erzählte mir, dass er bereits Flurfunk gehört hatte, das er sich aber nicht daran beteiligen wollte. Er hat sich nach dem Gespräch dafür bedankt, dass ich Ihn eingeweiht habe und ihm von der MS erzählt habe. Er hat mir außerdem Unterstützung angeboten, sollte ich Probleme haben oder Hilfe brauchen. Das war für mich sehr erleichternd und ich brauche mir keine Gedanken mehr zu machen, dass es irgendwelche negativen Gerüchte gibt.

Ich bin froh, dass ich bereits nach den 3 Monaten das Gespräch gesucht habe, denn bis zum Ende der Probezeit wollte ich nicht warten. Wenn sich die Gelegenheit ergeben hätte, wäre ich sicher bereits früher auf Ihn zu gegangen. Ich weiß, dass es der richtige Schritt war und das es für mich auch entspannter ist, wenn ich weiß, dass sie über die MS im Bilde sind. Außerdem weiß ich, dass ich auf Unterstützung zählen kann, sollte ich sie brauchen.

Die Zeit bringt Veränderung – Blicke positiv in Deine Zukunft

Ich weiß gar nicht wie ich euch beschreiben soll, was die letzten Monate mit mir angestellt haben aber ich kann sagen, dass ich glücklich und zufrieden bin. Heute, am Ende meines Urlaubs und am letzten Tag bevor es wieder auf die Arbeit geht, freue ich mich richtig wieder ins Büro zu kommen. Ich bin einfach sehr zufrieden wie es gerade läuft und wie sich alles entwickelt. Natürlich könnten ein paar Dinge besser sein oder sich bestimmte Wünsche erfüllen aber ich bin zufrieden. Warum auch nicht? Meine MS lässt mich derzeit in Ruhe. Ich habe einen tollen neuen Job gefunden und auch in der Beziehung läuft alles prima. Ich schmiede Pläne und kann mir Wünsche erfüllen. Ich kann in den Urlaub fahren und die Zeit in vollen Zügen genießen.

Einige von euch haben mich gefragt, wie ich es schaffe so positiv mit der Diagnose umzugehen. Es war ein Prozess! Nach der Diagnose haben sich auch Ängste und Sorgen in meinem Leben breit gemacht. Ich kann euch gar nicht genau sagen, was den Wandel gebracht hat. Vielleicht der Gedanke, dass ich nicht an der MS sterben werde, oder dass ich noch ein langes und aktives Leben vor mir habe. Man kann nicht wissen was passiert und wie es mit uns weiter geht. Aber wir können auch morgen einen Unfall haben und laufen deshalb auch nicht mit gesenktem Kopf und ständiger Angst durch die Gegend oder gehen sogar gar nicht mehr vor die Tür. Wir leben und haben es selbst in der Hand was wir aus unserem Leben machen. Also verstecke dich nicht, geh raus und genieße das Leben, das du noch vor dir hast.

Hast du vielleicht auch schon eine Veränderung in deinem Leben gespürt seit du deine Diagnose erhalten hast? Teile deine Geschichte mit uns!

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