Beinahe hätte ich euch den tollen Erfahrungsbericht von Tamara unterschlagen. Sie berichtet von Ihrer Therapie mit Interferon beta-1a und vervollständigt damit die Erfahrungsberichte zur “MS Therapie”.

Hierbei handelt es sich um einen reinen Erfahrungsbericht. Eine Wirkung des Medikaments kann nicht zugesichert werden, es spiegelt lediglich die Erfahrungen der Schreiberin wieder. Außerdem ersetzt dieser Bericht kein ausführliches Arztgespräch!
Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker.

Meine MS Therapie mit Interferon beta-1a

Mein Name ist Tamara und ich bin 29 Jahre alt. Meine Diagnose habe ich im Juni 2017, am Hochzeitstag meiner Eltern, erhalten. Was für ein Wahnsinns Geschenk und dabei war es noch nicht mal mein Ehrentag.

Alles begann mit Sehstörungen, weswegen ich in die Klinik gefahren bin. Mit meinen -8 Dioptrien war ich schon immer ein Maulwurf, aber da wusste ich, irgendetwas stimmt nicht. Die Diagnose lautete „Klinisch isoliertes Syndrom“ – die Vorstufe von MS. Noch im Krankenhaus musste ich zur hausinternen MS Schwester. Diese klärte mich zunächst über die Krankheit und dann über die möglichen Therapien auf. Auf Grund der Diagnose standen nur zwei Wirkstoffe zur Auswahl – Glatirameracetat und Interferon beta-1a.

Ich konnte keine Entscheidung für eine Basistherarpie treffen.

Zwar wurde ich von der MS Schwester aufgeklärt, doch jetzt eine Entscheidung über das richtige Medikament zu treffen war zu viel. Wäre es nach den Ärzten gegangen, hätte ich mir am besten an diesem Tag schon die erste Spritze gesetzt. Da ich aber mit der Gesamtsituation total überfordert war und diese Entscheidung nicht übers Knie brechen wollte, bin ich erst einmal ohne Basistherapie entlassen worden. Kurz darauf habe ich mir einen Neurologen vor Ort gesucht und mit ihm meine Therapiemöglichkeiten besprochen.

Der Neurologe erklärte mir die beiden Wirkstoffe und mir kam es so vor als müsst ich mich zwischen Pest und Cholera entscheiden. Schließlich gab es auf Grund der Diagnose nur Spritzen zur Auswahl. Ich bin zwar großflächig tätowiert, aber wer mag schon Spritzen? Meine Wahl fiel also auf Interferon beta-1a. Nur einmal wöchentlich spritzen klang für mich machbar. Eigentlich tendierte er jedoch zu Glatirameracetat. Ich war mir einfach so unsicher.

Wie soll man sich nur für eine Therapie entscheiden, wenn man nicht so richtig weiß ob es einem hilft?

Zu dieser Zeit war es noch nötig, Glatirameracetat täglich zu verwenden und ich wusste nicht, wie mein Körper das verkraften würde. Aus der Vergangenheit wusste ich noch zu gut, wie mein Körper nach Thrombosespritzen aussieht und das wollte ich nicht täglich haben. Der Kommentar von meinem Neurologen „Es gibt auch schöne Badeanzüge“ tat sein Übriges und festigte meine Entscheidung für Interferon beta-1a.

Die grippeähnlichen Nebenwirkungen des Wirkstoffs, über die man im Internet echt viele Horrorgeschichten liest, nahm ich in Kauf, denn schließlich musste es bei mir ja nicht so schlimm werden und mein Bauchgefühl sagte mir, dass es die richtige Wahl ist. Und so war es auch!

Die Nebenwirkungen wurden nach den ersten Monaten immer weniger.

Seit fast 2 Jahren verwende ich nun Interferon beta-1a (Handelsname: Avonex®). Interferon-beta ist ein Medikament, das als Injektion zur Behandlung der Multiplen Sklerose (MS) eingesetzt wird. Es ist in unterschiedlichen Darreichungsformen mit verschiedenen Injektionsabständen und -wegen verfügbar. Die Nebenwirkungen zu Beginn waren Kopf- und Gliederschmerzen, leichte Magenprobleme und Muskelschmerzen bei Belastung im Bein. Letzteres belastete mich etwas, da ich tagelang nach der Verwendung Probleme hatte meinem Hobby, dem Mountainbiken, nachzugehen.

Auf Anraten meines Neurologen und der MS Schwester, nahm ich vor und nach der Einnahme, sowie am nächsten Tag Schmerzmittel, um die Nebenwirkungen abzumildern. Nach 1-2 Monaten minimierten sich die Nebenwirkung auf Kopfschmerzen und ich reduzierte die Schmerzmittel wöchentlich. Ein kleiner Tipp am Rande: Was mir sehr gut hilft, ist am Tag der Verwendung enorm viel zu trinken.

Heute kann ich sagen, dass ich keine Schmerzmittel mehr brauche und frei von Nebenwirkungen bin und am nächsten Tag auf dem Fahrrad sitzen kann. Es ist bei jeder Therapie wichtig durchzuhalten!

Ohne mein Durchhaltevermögen hätte ich die Therapie vielleicht gewechselt.

Vierteljährlich muss ich zur Blutuntersuchung und halbjährlich zum Urintest um meine Leber- und Nierenwerte checken zu lassen. Einmal im Jahr geht es, wie bei den Meisten von uns, zum Kontroll-MRT.

Unter der Therapie mit Interferon beta-1a hatte ich bereits mein zweites Kontroll-MRT. Dieses fiel gut aus. Keine weiteren Läsionen und der alte Herd ist kleiner geworden. Ob es am Medikament liegt oder ob die Krankheit auch ohne Therapie so verlaufen wäre weiß leider keiner und jeder muss für sich seinen richtigen Weg finden.

Ich kann euch bei eurer Wahl für ein Medikament nur eins mit auf den Weg geben. Hört auf euer Bauchgefühl und sprecht ausgiebig mit eurem Arzt über die Therapiemöglichkeiten.