Wer hat ihn nicht schon einmal gehört, diesen berühmten Satz – “Unter Stress arbeite ich am besten”? Sicher hat man das Gefühl unter schwierigen und stressigen Bedingungen produktiver zu sein. Aber der Schein trügt, denn Dauerstress und Leistungsdruck können die Leistungsfähigkeit mindern. Kleine Fehler schleichen sich ein, die vielleicht sogar unbemerkt bleiben. Man arbeitet nicht mehr so genau und sauber, hat aber dennoch das Gefühl schneller und produktiver zu sein.

So viele Menschen haben mit Burnout, Depressionen oder gar Essstörungen zu kämpfen. Auch junge Menschen sind immer häufiger davon betroffen. Ich denke, das war nicht immer so, dennoch wird in den Medien immer mehr über das Thema Burnout und Depressionen gesprochen. Gehen wir heute nur offener mit diesen Erkrankungen um? Oder stimmt es wirklich, dass der ständige Leistungsdruck und die Schnelllebigkeit der Welt immer mehr Druck auf uns ausüben? Und zwar so sehr, dass die Zahl, der von psychischen Erkrankungen Betroffenen, stetig steigt. Auch bei Multiple Sklerose hat Stress negative Auswirkungen auf unsere Erkrankung.

Leistungsdruck – gerade im Job steigt dieser immer weiter an.

Unabhängig von Branche oder Beruf steigt der Leistungsdruck im Job in den vergangenen Jahren ständig weiter an. Die Ansprüche der Unternehmen an Ihre Mitarbeiter wachsen stetig. Auch die wirtschaftliche Konjunktur tut ihr übriges. In Zeiten von Kurzarbeit wird gerade im Vertrieb der Druck größer, neue Aufträge zu generieren in weniger Arbeitszeit. Auch ich mache gerade diese Erfahrung. Denn trotz Reduzierung meiner Arbeitszeit habe ich nicht weniger Kunden oder weniger Aufgaben. Derzeit muss ich das gleich Pensum, welches ich vorher in 5 Tagen geschafft habe, in 3 Tagen erledigen. Wobei glücklicherweise etwas an Tagesgeschäft weg fällt, aber dennoch sind es genügend Dinge, die sich über mehrere Tage hinziehen und bearbeitet werden müssen. Eigentlich müsste die Arbeit angepasst werden, aber es fehlt die Zeit sich mit organisatorischen Dingen auseinander zu setzen. Und leider auch das Personal. Aber genau das erhöht wieder meinen Leistungsdruck, denn wenn ich Mittwochs nicht alles erledigt habe, bevor ich das Haus verlasse, könnte jemand sagen, dass ich meine Arbeit nicht ordentlich mache.

Leistungsdruck

Ich weiß, dass ich mir darüber eigentlich keine Gedanken machen sollte, oder mich unter Druck setzen lassen sollte. Aber man möchte seinen Job gut machen, auch wenn es nur drei Tage in der Woche sind. Dazu kommen die ganzen Aufgaben um den Job herum. Mein MS Treff in Solms verlangt gerade auch viel Zeit für organisatorische Dinge. Auch rufen noch oft Betroffene bei mir an und wollen sich nach dem Treff erkundigen. Das muss auch neben dem Job noch erledigt werden. Und dann mein Blog – mein Herzensprojekt – in das ich so viel Zeit wie möglich investiere. Genau für diese beiden Projekte habe ich mir so viel Zeit freigeschaufelt, wie es nur möglich war.

Leistungsdruck minimieren und zurück zur Ausgeglichenheit finden.

Der Leistungsdruck steigt, nicht nur im Job, sondern auch Privat wird uns alles abverlangt. Wir jonglieren mit der Zeit, so gut es nur irgendwie geht. Wir versuchen Prioritäten zu setzen und der Schnelligkeit der Gesellschaft mitzuhalten. Immer auf dem neuesten Stand sein, jeden Trend mitnehmen, bei angesagten Themen mitreden können – all das versuchen wir Tag für Tag. Heute geht einfach alles so schnell – es werden E-Mails statt Briefe geschrieben oder das Handy statt das Festnetz benutz. Immer und überall ist man erreichbar. Anstatt persönlich mit einander zu sprechen, wird mal eben schnell eine Sprachnachricht versendet.

Höher, schneller und Weiter – das Gefühl immer mehr zu wollen und nicht genug zu sein, facht den Leistungsdruck und damit Stress noch weiter an. Oft überschreiten wir unsere eigenen Grenzen und merken nicht, dass es zu viel ist und gar nicht unseren momentanen Bedürfnissen und Anforderungen entspricht. Die hohen Selbstansprüche erzeugen noch mehr Druck und erschweren uns das Leben. Daher ist es wichtig Leistungsdruck zu reduzieren und wieder zurück zur Ausgeglichenheit zu finden und bewusst zu Entschleunigen.

Finde den Weg zu Dir selbst und nimm dir bewusst Zeit zu Entschleunigen

Setze dich nicht dauerhaft diesem Druck aus, immer alles richtig zu machen, einen guten Job zu leisten und immer 100 Prozent zu geben. Es ist wichtig, dass du dir auch wieder ganz bewusst Zeit für dich nimmst, denn der Stress, der durch den Leistungsdruck entsteht, kann sich negativ auf deine Multiple Sklerose auswirken. Denn wie du sicher schon öfter gelesen hast, kann Stress Entzündungen im Körper fördern und dadurch Symptome anheizen. Pass auf dich auf! Schalte lieber einen Gang zurück! Sei bei dir selbst und sag auch mal Nein!

Du musst nicht immer mehr als 100% geben. Du darfst auch mal einen Gang runter schalten, damit du wieder neue Energie sammeln kannst. Denn diese kleinen Pausen können dich Leistungsfähiger machen, den Kopf wieder frei machen und dir helfen wieder konzentrierter zu arbeiten.

Es ist okay auch mal nicht volle Leistung zu bringen. Sich kleine Auszeiten zu gönnen und nicht immer bei allem vorne mit dabei zu sein. Du darfst auch mal Nein sagen oder nach Hilfe fragen. Es ist kein Grund sich zu schämen, wenn man mal Hilfe annehmen muss. Egal ob im Job oder Privat. Früher habe ich das auch nicht gerne gemacht. Aber heute bin ich froh, wenn ich jemanden habe, der mir manchmal unter die Arme greift. Egal ob es im Haushalt ist, oder wenn ich im Büro mal nicht alle Arbeit schaffe bevor ich in mein langes Wochenende gehe.

Tolle Tipps zur Entschleunigung findest du in meinem Beitrag über Achtsamkeit!