[Foto by Lorena Bollmann]

Du möchtest deine Ernährung umstellen und suchst Tipps zum Einstieg in die MS Ernährung? Dann bist du hier und jetzt in diesem Beitrag genau richtig. Vielleicht hast du auch schon den Beitrag auf dem Blog von “My Therapy App” gelesen, in dem ich dir schon mal einen kleinen Einblick in die ersten Schritte bei einer MS Ernährung gebe. In diesem Beitrag soll es jetzt ein wenig mehr ins Detail gehen, um dir den Einstieg in die MS Ernährung zu ebnen und verständlich zu erklären. Auch kann man es nicht oft genug sagen, eine Ernährungsumstellung oder antientzündliche Ernährung kann die MS nicht heilen.

Die meisten Betroffenen überstürzen eine Ernährungsumstellung und wollen gleich alles auf einmal ändern. Du kannst dir sicher sein, dass sie das nicht durchhalten werden. Eine Ernährungsumstellung ist immer ein Prozess, der viel Zeit und Geduld benötigt. Es gibt nicht das eine Rezept für eine Ernährung bei Multiple Sklerose. Es gibt viele Wege, auf denen du den Einstieg in die MS Ernährung beschreiten kannst und die dich deinem Ziel, Entzündungen zu reduzieren, näher bringen. Genau so individuell wie deine MS ist auch die Ernährung. Neben deinen Vorlieben sind auch Verträglichkeiten maßgeblich bei einer Ernährungsumstellung.

Den Einstieg in eine MS Ernährung schaffst du am Besten, wenn du es langsam angehst.

Wie schon gesagt, ist es nicht sinnvoll eine Ernährungsumstellung zu überstürzen. Ich weiß, wenn man eine Diagnose wie Multiple Sklerose erhalten hat, will man sofort alles dafür tun, dass man keine Schübe mehr hat und dass es einem gut geht. Und dafür würde man am liebsten alles gleichzeitig über den Haufen werfen. Glaub mir, es ist nicht schlimm wenn du dir dafür Zeit lässt. Denn nur langfristig wirst du mit einer Ernährungsumstellung Erfolg haben. Das ist beim Abnehmen so und genau so ist es auch im Bezug auf die MS. Eine Ernährungsumstellung ist ein langer Prozess, den du immer und immer wieder anpassen wirst. Bei dem du dich ausprobierst und feststellen wirst, dass dir eine Maßnahme besonders leicht fällt und dann gibt es da eine, mit der du überhaupt nicht klar kommst. Auch das ist okay!

Es ist wichtig zu beobachten und zu spüren, wie dein Körper auf gewisse Veränderungen reagiert. Fühlst du dich besser oder schlechter mit der Änderung? Das solltest du ganz genau beobachten. Und nur durch einzelne Maßnahmen kannst du genau wissen was dir gut tut und was nicht. So kannst du Hindernisse oder Störfaktoren besser herausfiltern und dann wieder eine Anpassung vornehmen. Immer ein Schritt nach dem anderen. Auch die Umstellung an sich wird dir dadurch leichter fallen, denn du setzt dich nicht unter Druck. Wenn du entscheidest, keine Milchprodukte, Fleisch, Getreide und und und mehr zu essen, bedeutet das einen großen Einschnitt und viele Verbote.

Ernährungsumstellung: Verbotenes schmeckt immer am Besten!

Weißt du noch früher, als deine Mama dir verboten hat vor dem Essen noch etwas Süßes zu essen? Du dich dann heimlich an den Schnuckelschrank geschlichen hast und es doch gemacht hast – das Verlangen war einfach zu groß. Und genau so wird es auch mit diesen selbst auferlegten Verboten sein. Du wirst dir Ausreden einfallen lassen um diese zu umgehen. Dann lieber gleich langsam starten und durchhalten!

Zusammenfassend können wir festhalten, dass sich Zeit zu lassen der erste und wichtigste Tipp ist. Nur wenn du es langsam und konsequent angehst, kannst du es schaffen langfristig deine Ernährungsgewohnheiten zu ändern. Und dabei ist es nicht schlimm, wenn du mal Lust hast ein Eis zu essen oder du dir mal ein Steak gönnst. Wichtig ist, dass du danach wieder zu einer gesunden und für deine MS passende Ernährung zurückkehrst.

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Einen Tipp zum Einstieg in die MS Ernährung, den ich dir mit auf den Weg geben möchte ist, reduziere den Verzehr von Schweinefleisch auf ein Minimum oder streiche es komplett von deinem Speiseplan. Das wäre für mich der erste Schritt zu einer Pflanzen betonten Ernährung, die du nun weiter Schritt für Schritt angehen kannst. Warum gerade Schweinefleisch? Schweinefleisch enthält sehr viel Arachidonsäure, welche sich wiederum stark auf das Entzündungsgeschehen im Körper auswirken kann. Außerdem ist es oft stark belastet mit Antibiotika und anderen gesundheitsschädlichen Stoffen. Willst du also deinem Körper etwas Gutes tun, dann mit diesem ersten Schritt.

MS Ernährung – ein kleiner Exkurs zur Arachidonsäure

Arachidonsäure ist eine essenzielle Omega-6 Fettsäure, das bedeutet dass sie über die Nahrung zugeführt werden muss. Sie wird aus Linolsäure in der 4. Stufe synthetisiert. Allerdings nur, wenn sie benötigt wird! Sie ist ein Bestandteil der Zellmembran, aus der Gewebshormone produziert werden. Daraus entstehen freie Radikale zur Abwehr schädlicher Substanzen. Es werden bewusst Entzündungen verursacht um Abwehr- und Reparaturmechanismen einzuleiten. Arachidonsäure ist also ein wichtiger Faktor zum Schutz vor schädlichen Substanzen. Unser Organismus ist so gut eingespielt, dass sie nur synthetisiert wird, wenn es nützlich und nötig ist. Allerdings enthalten tierische Produkte bereits Arachidonsäure, die nicht mehr synthetisiert werden muss. Daher kann ein hoher Verzehr an tierischen Produkten Entzündungsprozesse fördern. Hier kommst du zu meinem Beitrag über Arachidonsäure.

Während von den Fettsäuren der größte Teil zur Energiegewinnung verwendet werden, sind es bei der Arachidonsäre nur 10%! Die restlichen 90% werden gespeichert und zur Bildung von Entzündungsbotenstoffen verwendet. So kann es passieren, dass wir 30g Arachidonsäure im Körper gespeichert haben. Mit einer entzündungshemmenden Ernährung kann es gelingen den Arachidonsäuregehalt im Körper abzubauen. Allerdings ist dies ein langer Prozess, der mindestens 2 bis 3 Monate dauert.

Die max. Zufuhrempfehlung von Arachidonsäure für MS Betroffene liegt bei 0,05g pro Tag. Das entspricht:

  • ca. 1,13 Eiern
  • oder 1.250g Joghurt 3,5%
  • oder 26,3g Lachs
  • oder 160g Rinderfilet

Nur wer durchhält schafft es langfristig eine MS Ernährung beizubehalten.

Ein weiterer wichtiger Schritt ist – durchhalten! Ich weiß, das ist einfacher gesagt als getan. Auch ich esse gerne mal ein Stück Schokolade oder ein Eis. Hin und wieder gönne ich mir auch mal ein Steak, wenn wir essen gehen. Dagegen ist auch nichts einzuwenden, denn danach kehrst du wieder zurück zu deiner MS Ernährung und das ist das Wichtigste. Ich bin kein Freund von absoluten Verboten und Verzicht, denn damit kann auch ein Stück Lebensqualität verloren gehen. Und wenn man sich in seinem Leben und seiner Freiheit eingeengt fühlt möchte man ausbrechen. Und wenn es soweit ist, dann wirst du die Umstellung nicht durchhalten.

Finde deine Alternativen. Vielleicht hast du eine Idee, was du anstatt einem Stück Schokolade essen könntest um deinen Hunger auf Süßes zu stillen? Wie wäre es mit Obst? Oder einem Energy Ball? Oder einer Dattel gefüllt mit Mandelmus und dazu noch ein paar Kakao Nibs? Das ist übrigens meine absolute Lieblingssünde. Auch eine Smoothie Bowl mit einem hohen Anteil an Gemüse kann den Süßhunger stillen und ist zudem ein perfektes Frühstück. Du kannst auf deinen Sonntagskuchen nicht verzichten? Wie wäre es stattdessen mit einem zuckerfreien Bananenbrot oder einem veganen Möhrenkuchen, der auch ganz ohne Zucker auskommt. Das sind nur ein paar wenige Alternativen, die ich dir an die Hand geben kann. Aber dir wird sicher noch mehr einfallen.

Mein zuckerfreies Bananenbrot

Versuche Zucker von deinem Speiseplan zu streichen – vor allem versteckten Zucker in Fertigprodukten.

Mein letzter Tipp für den Einstieg in die MS Ernährung ist: Achte auf versteckten Zucker in Lebensmitteln. Wirf einmal einen Blick in deine Küchenschränke und in den Kühlschrank. Schau dir jede Zutatenliste genau an. Oft sind diese sehr lange und alles andere als gesund. Versteckter Zucker gehärtete Fette, Aromen und vieles mehr. Das gehört in keine gesunde Ernährung und auch nicht in eine MS Ernährung. Ich finde, wenn wir Zucker essen wollen, dann bewusst! Egal ob Pesto, Gemüsebrühe oder Grillsauce – überall findet sich zugesetzter Zucker. Auch wenn er nicht immer Zucker heißt, ist er trotzdem zu finden. Und zwar bei allem was auf …ose endet. Zudem natürlich Agavendicksaft, diverse Sirupe, Maltodextrin, Dextrin oder Weizendextrin, Malzextrakt oder Gerstenmalzextrakt. Schau einfach mal nach und hinterlasse mir gerne mal in den Kommentaren, wie viele Produkte du gefunden hast, die verstecken Zucker enthalten. Würde mich wirklich interessieren!

Im Supermarkt gibt es kaum ein “Fertig” Produkt, was keinen Zucker enthält. Zucker ist Geschmacksträger und hilft natürlich auch Produkte haltbar zu machen. Daher bin ich ein großer Freund vom selber machen. Da hat man es einfach selbst in der Hand was alles drinnen ist. Ein leckeres Bärlauchpesto, einen Brotaufstrich oder eine Curry Paste. Es ist einfach und man kann solche Dinge auf Vorrat machen. Man kann nicht immer alles selber machen, das kann ich auch verstehen aber du solltest versuchen so viele Fertigprodukte wie möglich aus deiner Ernährung zu verbannen. Der Zucker ist nicht die einzige Zutat, die nicht gut für deine Gesundheit ist. Je kürzer die Zutatenliste um so besser.

Mache deine Aufstriche und Saucen selbst, dann weißt du genau was drinnen steckt!

Ich habe beispielsweise noch keine gesunde Alternative zu Eiscreme gefunden. Natürlich gibt es die Nicecream – die mag ich auch ganz gerne – aber es ist dennoch etwas anderes, ein richtiges Eis zu essen. Im Moment überlege ich, ob ich mir eine Eismaschine anschaffen soll. Ich habe eine tolle entdeckt, mit der man entweder Eis oder Joghurt herstellen kann, was ich ganz toll finde. Aber der Herzmann wird nicht begeistert sein, wenn ein weiteres Küchengerät bei uns einzieht. Mal sehen wie wir das noch hin bekommen.

Ich habe wirklich nichts gegen Ausnahmen und Ausnahmen bedeuten auch keine Schwäche – es ist einfach ganz normal. Solange du, wie bereits vorher erwähnt, wieder zurückkehrst zu deiner gesunden MS Ernährung. Wenn du Sündigst, dann bewusst und mit Genuss! So mache ich es auch. Wenn meine Freundin mit mir ein Eis essen gehen will, dann machen wir das auch. Aber dann ist auch wieder gut und und mache mit Abends einen richtig leckeren Salat mit vielen gesunden Zutaten oder eine große Schüssel Kokosjoghurt mit frischen Beeren.

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Ich hoffe ich konnte dir die ersten Schritte für den Einstieg in die MS Ernährung ein wenig ebnen. Es wird sicherlich noch viele weitere Posts zum Thema MS Ernährung geben, denn es ist so vielseitig, interessant und spannend. Hast du wünsche oder Anregungen, was du gerne auf dem Blog lesen möchtest. Schreib es gerne in die Kommentare oder schicke mit eine Email an Jule [at] fitnessfoodundms [dot] de